Henrik und Emanuel Moor Stiftung


Biographie von Emanuel Moór

Emanuel Moór wurde am 19. Februar 1863 in Kecskemét als Sohn des Opernsängers und späteren Kantors Rafael Moór geboren. Seine Begabung zeigte sich früh, mit 6 Jahren galt er als pianistisches Wunderkind. Den ersten Unterricht erhielt er von seinem Vater.

Mit 13 Jahren gewann Emanuel in einem Improvisationswettbewerb für Orgel in Prag die Goldmedaille für die Improvisation vierstimmiger Fugen. Er studierte in Budapest bei Robert Volkmann Komposition, in Wien bei Anton Door und Anton Bruckner. 1881, mit 18 Jahren, wurde er Lehrer für Klavier am Musikkonservatorium in Szeged, wo er auch als Dirigent auftrat und erste Kompositionen veröffentlichte. Er blieb dort vier Jahre und veranstaltete viel beachtete Konzerte. Eine Szegediner Zeitschrift aus dem Jahr 2002 erinnert an ihn in einem Artikel und beschreibt ihn als "einen Klaviervirtuosen, der unter seinen Kollegen hervorstach, und dessen Konzerte im Leben der Stadt bedeutende Ereignisse waren".

1885 verließ Emanuel Moór Ungarn und reiste nach Amerika. Dort machte er schnell Karriere als Pianist und Dirigent. Auch als Komponist hatte er bemerkenswerte Erfolge, und sein erstes Klavierkonzert mit ihm selbst als Solisten erhielt soviel Beifall, dass ein Teil wiederholt werden musste. Auf einer seiner vielen Tourneen durch die Oststaaten begleitete er u.a. auch die berühmte Sängerin Lilli Lehmann sowie den Geiger Ovide Musin.

1887 lernte Emanuel Moór Anita Burke kennen, Tochter aus einer sehr reichen irisch-amerikanischen Familie und heiratete sie am 9.Febr. 1888 in London. Das junge Paar ließ sich in England nieder. Moór gab noch einige sehr beachtete Konzerte in London, beendete aber bald seine Karriere als Konzertpianist und wandte sich ganz der Komposition zu. In den 12 Jahren, die er in England lebte - er nahm in dieser Zeit die englische Staatsbürgerschaft an - entstanden die ersten 2 Opern, 4 Symphonien, darunter die Lajos Kossuth Symphonie, die 1895 mit großem Erfolg unter der Leitung des Komponisten in Budapest aufgeführt wurde. In England setzte sich George Henschel sehr für seine Orchestermusik ein, auch seine Kammermusik fand regen Anklang.

Im Sommer 1901 zog Emanuel Moór in die Schweiz, da er sich in England zunehmend von der musikalischen Entwicklung auf dem Kontinent abgeschnitten fühlte. Von dort aus knüpfte er zuerst Kontakte nach Deutschland, wo im Februar 1902 seine 3. Oper "La Pompadour" im Alten Stadttheater in Köln uraufgeführt wurde, die ein günstiges Echo nicht nur in den 3 führenden Zeitungen in Köln fand, sondern auch in Berlin, Hamburg und in der "Zeitschrift für Musik" und zur Annahme der nächsten Oper, "Andreas Hofer" führte, deren Uraufführung ebenfalls in Köln im Nov. des gleichen Jahres stattfand.

In Lausanne, dem neu gewählten Wohnsitz, machte Emanuel Moór Bekanntschaft mit den namhaftesten Künstlern seiner Zeit. 1904 lernte er den berühmten Geiger Henri Marteau kennen, der sich sehr für seine Musik begeisterte und dem er sein Streichquartett op.59 sowie das Violinkonzert op.62 widmete. Marteau hat dieses Konzert viel gespielt, später übernahmen es auch Jacques Thibaud und Eugène Ysaÿe in ihr Repertoire, und Ysaÿe äußerte sich über dieses Konzert nach einer Tournee durch England folgendermaßen: "Je öfter ich dieses Konzert spiele, umso mehr wächst meine Bewunderung. Als ich es gestern spielte, habe ich mir gesagt, dass ich es eben so schön finde wie das Beethovenkonzert."

Entscheidend aber war das Treffen mit dem Cellisten Pablo Casals im Frühjahr 1905. Er hielt Moórs Musik für genial, nachdem dieser ihm sein erstes Cellokonzert am Klavier vorgetragen hatte, und förderte ihn mit allen Mitteln. Er überzeugte mit Erfolg die damals bedeutendsten Musiker wie Alfred Cortot, Jacques Thibaud, Eugène Ysaÿe, Fritz Kreisler, Willem Mengelberg, Arthur Nikisch, Mieczyslaw Horszowski, Harold Bauer und andere, Moórs Werke in Ihre Programme aufzunehmen. Jede neue Aufführung und jeder neue Interpret stachelte Moór zu neuen Werken an. Es entstanden u.a. das zweite Cellokonzert, das Pablo Casals gewidmet ist und welches er 1910 spektakulär für sein Wiener Konzertdebüt auswählte, und 1908 das Cellodoppelkonzert, das von Casals und seiner damaligen Lebensgefährtin Guilhermina Suggia europaweit aufgeführt wurde, und Casals schrieb an E. Moór aus Moskau: "Enthusiastischer Beifall, nach 6 Hervorrufen mussten wir das Intermezzo als Zugabe wiederholen."

Für das berühmte Trio Casals, Cortot und Thibaud schrieb Moór ein Tripelkonzert, das auf einer Tournee durch die Schweiz großen Erfolg hatte. Auch das Klaviertrio op.81, 1908 entstanden, wurde fester Bestandteil des Repertoires dieses berühmten Trios.

Die Liste der Werke, Orchesterkonzerte wie Kammermusik, und ihrer Aufführungen ist lang, Emanuel Moór war zwischen 1905 bis 1914 ein bekannter und viel gespielter Komponist.

Mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs gingen die Verbindungen zu vielen Musikern verloren, und Moór, der Aufführungen seiner Werke und freundschaftliche Beziehungen zu den Künstlern als Quelle der Inspiration dringend brauchte, gab das Komponieren fast ganz auf. Das letzte große Werk, das er schrieb, war ein Konzert für Streichquartett und Orchester, eine Auftragsarbeit für das damals weltberühmte Flonzaley-Quartett, mit dessen Gründer Alfred Pochon ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Das Werk wurde in Philadelphia unter Leopold Stokowski uraufgeführt und Stokowski sagte darüber: "Der Mann, der solche Melodien schreiben kann, ist heutzutage einzigartig."

Während des Krieges lebte er zurückgezogen in seinem Haus auf dem Mont Pèlerin und widmete sich der Malerei.

Ab 1918 wandte er sich der konstruktiven Seite der Musikinstrumente zu. Er entwickelte ein zweimanualiges Klavier, das von den Firmen Schmidt-Flohr (1920), Aeolian-Company (1921), Pleyel (ab 1925), Bechstein (1929) und Bösendorfer (1930-1935) gebaut wurde.

1922 starb seine Frau Anita nach langer Krankheit. 1923 heiratete er die Pianistin Winifred Christie, die ihre Karriere am einmanualigen Instrument aufgab und die eifrigste Verfechterin des Doppelmanualflügels wurde.

In seinem Erfindergeist wandte er sich auch den Streichinstrumenten zu, deren klangliches Volumen er verbessern und deren Herstellung er vereinfachen wollte.

Am 20. Oktober 1931 starb er in seinem Haus auf dem Mont Pèlerin.

Max Pirani beschreibt in seiner Biographie Emanuel Moór als den scharfsinnigsten musikalischen Kopf, mit dem er je in vertrauten Kontakt gekommen ist, und als einen Menschen mit einem unheimlichen Sinn für musikalische Werte. Auch er äußerte die Überzeugung, wie Casals, dass sein Werk, neu geschätzt und geprüft, wieder lebendig werden wird.

Emanuel Moór

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letzte Aktualisierung: März 2014
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